Bleichenbach

Der Ort, der Brücken baut

Dietrich Bonhoeffer - Was dieser Mann geleistet hat

Ich heiße Helmuth Schimanowski. Als ich den Kirchenchor unter der Leitung von Herrn Kurt Schmidt besuchte, erklang der Satz „Von guten Mächten wunderbar geborgen". War ein Klang! Und zwar von Bonhoeffer. Was war Bonhoeffer?


Am 4. Febr. 1906 würde in Breslau Bonhoeffer geboren. Sein Vater war Psychiater/Neurologe. Nach der Jugend in Berlin, der Studierzeit in Tübingen (Theologie), hörte er Karl Bartha: Römerbrief. Er ging in Ausland: Vikariat Barcelona. Assistenz in Berlin. New York.


Lehrjahre
Als Kind bekam er Klavier, Gesang, Geige und Cellounterricht. In seinen letzten Jahren bevor er die „Hugo-Wolff-Lieder" kennen lernte und die geistlicher Lieder von Heinrich Schütz. In der Nähe wohnte Max Plank, der Theologie Adolph von Harnack, der Historiker Hans von Delbrück. Sein politischer Freund war Hans von Dohnanyi. Aber etwas anderes bewegt sich: sein „Igel"!? Der „Igel" war eine schwäbische Verbindung. 1871 gegründet, unterlag eines Tages gewisser Ehrenkodices, unter 1933 antisemitischen Arierparagraphen in seiner Satzung. Da trat Dietrich Bonhoeffer aus.

 

Es war die Zeit von Ludendorff und Hitlers Putsch. In Sachsen gab es kommunistische Unruhen. Man nahm an (nach dem französischen Einmarsch in das Ruhrgebiet) Einfälle z.B. Russlands.

 

Ebenso wie andere Theologen jener Jahre hatte auch keinerlei Kontakt zu den jüdischen Denkern: Rosenzweig, Buber, Baek. Auch Karl Heim blieb vor. Aber mein Vater mochte Karl Heim. Er hatte viel zu geben. Aber ist kein Pietist: das ist kein Anhänger des 19.Jh.!
Um diese Zeit bahnten sich in Deutschland bereits entscheidende Änderungen an: Stresemann, von rechts als >Erfüllungspolitiker< beschimpft, starb 1929; die New Yorker Börse brach zusammen; Joseph Goebbels wurde Gauleiter der NSDAP; Brüning übernahm 1930 das Reichskanzlersamt, die Zeit der Notverordnungen begann.
Nun hauste bei Bonhoeffers las man die demokratische >Vossische Zeitung<. Kontakt suche er bei Günther Dehn, einem Freund Barths, damals Pfarrer in Moabit. 1936 wurde ihm das Amt durch die nationalsozialistische Partei genommen.


Dozentur
Dietrich Bonhoeffer traf offensichtlich auf Bedürfnisse. Er befriedigte sie mit hohem persönlichem Engagement. Er konfrontierte sie mit dem Friedensthema. Ein Thema, das auch in der Theologie ein Fremdewort war. Er vertrat allein auf dem Berliner Katheder, was Barthe dialektische Theologie gegen die große Tradition vorzubringen hatte.
Am 30.Jan. 1933 kam Hitler an die Macht. Jetzt bildete der Hitler die entscheide Macht in Staat und Gesellschaft. Die schuf eine Immunisierung gegen die Verführung den durch Nationalsozialismus und seiner Dienerin in der damaligen Kirche.


Pfarramt
Die ganze Familie Bonhoeffer lehnte Hitler ab. Dietrich Bonhoeffer befand sich schon zwei Tage nach der Machtergreifung in voller Konfrontation. In einer Rundfunkansprache warf er zwei Tage Hitler vor, „dann gleitet das Bild des Führers über in das des Verführers. ... Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes." |Das war in Prinzip nicht schlimm, denn Rundfunk-Hörer gab es selten.|
Die Demokratie war ausgeschaltet: Verordnung zum Schutz vom Staats, zum Einführung Konzentrationslager, Pressefreiheit, Versammlungsrechte, Postgeheimnis, Haussuchung, Beschlagnahmen.
Dafür hoffte er auf die Ökumene. Und eine Tages entschied er, auf seine Verantwortung „den Rad selbst in die Speichen zu fallen."
Die „Deutschen Christen" suchten sich April 1933 die Macht an sich zu bringen. Den Wehrkreispfarrer Ludwig Müller hatte man dafür auserkoren. Bonhoeffer wollte nicht aufgeben, mit Hermann Sasse übernimmt er die „Betheler Bekenntis". (Auch mein Onkel, Werner Steinberg, ein Halb-Jude, ging später in das Krankenhaus. Er war vom Steinberg (Jude) und Nieschalt(Arier) geboren, die wird seine Mutter. Der Beruf war Börsenmakler.

 

Außendienst
Aber dort war Schluss. Bonhoeffer ging nach London. Auch die Evangelische Kirche ließ nicht los. Karl Barth blieb treu. Dann kam die „Bekenntnissynode": „Wir kämpfen die falsche Lehre". Karl Barth hatte sie entworfen. Die war die eigentliche Geburtstunde der „Bekennenden Kirche". Karl Barth in Bonn entlassen. Dies geschah wenige Tage vor den Röhm-Mord und dem Dollfuß-Mord.


Predigerseminar
Fünf Jahre arbeitete Bonhoeffer in der Bekennenden Kirche. Am 1.Mai 1937 verkündete Hitler das neue Wehrgesetz. Ziemlich betroffen merken sie, dass der Institutsleiter ihre Begeisterung nicht teilte. Hitler richtete im Sommer 1935 ein Kirchenministerium ein. Als Bonhoeffer das sah, stellte jeden frei zu gehen. Alle blieben. Erst zwei Jahre später erschien die Gestapo, um das Haus zu versiegeln. Bonhoeffer hatte keinen Wohnplatz.

 

Zeit zum Nachdenken
Bonhoeffer hatte Zeit zum Nachdenken. Es entstand das Buch „Gemeinsames Leben" und „Widerstand und Ergebung". Der Übergang nach zwei Jahren nach ihm zu schaffen. 1936 kam das Aus: Lehrverbot. Aber die Hoffnung bleibt: Heirat mit Maria von Wedenmeier.

 

Spiel mit dem Feuer
Die Bekennende Kirche war zu einem Ort der „inneren Emigration" geworden. Dem Einmarsch in Wien, von dem Schweizer Karl Barth, der in einem Brief an den Prager Theologen Josef Hromádka die Tschechoslowaken zum bewaffneten Widerstand stellte er die Lage fest. Als das Gesetz zur Kennzeichnung der Pässe zur erfuhr die Familie durch Hans von Dohnanyi. Schnell hatte er einen Urlaub genommen und traf in New York ein. Nach Gesprächen kehrt er in Hinderpommern zurück. Unter der Mitarbeit Eberhard Bethge (von dem stammte das Buch) fuhr Bonhoeffer im Sommer durch ostpreußische Gemeinden. Die unerwartet schnelle Kapitulation Frankreichs bracht Hitler der Höhe seines Ansehens. Erst die Meldung erlebte Bonhoeffer in einen Tilsiter Kaffeegarten.

 

Es wird ernst
Canaris (Sonderführer H.v.Dohnanyi: in OKW-Abwehr des Heeres) hatte eine Unabkömmlicherklärung für Bonhoeffer aus, weit ab von Pommern, in Bayern. Mit dieser militärischen Aufgabenstellung hat Bonhoeffer sein Ziel verletzt. Aber was machen? Bonhoeffer musste sich in München anmelden. Aber er hielt in der Benediktinerabtei Ettal auf. Nun machten die beginnenden Judendeportationen das Handeln noch dringlicher. Im Auftrag die Abwehr unternahm er nun Reisen in die Schweiz, nach Schweden, Norwegen und Italien. Aber es gab einen Besuch zu Hause. Da geschah etwas Ungeheuerliches: Bonhoeffer wurde verhaftet. Ein Grund war: ein Mitarbeiter aus der Abwehr war verhaftet worden.

 

Gefängnis
Bonhoeffer wurde in Gefängnis gebracht, nach Berlin-Tegel, wo ein Vetter Dienst tat. Er war Stadtkommandant Berlins. Der Häftling entbehrte vor allen eins: frische Wäsche und Seife. Aber des dauerte nicht lange. Braut und die Familie hatte zu tun, alles guten Beziehungen. Verhöre, Verhöre!

 

Eines hatten die Nationalsozialisten freilich erreicht: Das Büro Oster-Dohnanyi war kaltgestellt. Die zweite Phase von Bonhoeffer Haft wurde auf den Prozess bestimmt. Vom Scheitern den Putschs erfuhr noch am Abend des 20. Juli. Er rechnete mit dem Schlimmsten. Da Hitler hieß, alle unmittelbar Betroffen hinrichten.

 

In Zossen (nahe Berlin) hatte die Gestapo einen Fund gemacht: Danach waren auch Oster, Dohnanyi, Bonhoeffer an dem Putsch beteiligt. Im 8.10.1944 holte die Gestapo ab. Es ging in die Prinz-Albrecht-Strasse. Ader die Prinz-Albrecht-Straße würde bombardiert. Am 7.2.1945 wurde er eingeteilt in dem Sonderzug nach Buchenwald. 1.4.1945 hörte man Geschützfeier. Am 5.4.1945 fiel Mittagsbesprechung in Entscheidung bei Hitler: Die „Zossen-Gruppe" sollte nicht überleben. Bonhoeffer war tot.

 

Lehre
Bonhoeffer hat die Wahrheit gesagt. Wir werden klug sein, ihm zu folgen.

 

1 E. Bethge, Bonhoeffer, rororo1991

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