Wie ein Storch die Welt veränderte
Tierschutz
Wie ein Storch die Welt veränderte
Als ich einmal in Altenstadt war, da hatte ich keine Ahnung, wie Tierschutz aussieht. Also sprach mich Alfred Leiß an. „Komm, ich zeig dir etwas!" Wir sind in Altenstadt oben an der Schule. Wir ziehen hoch, üben stehen an der Tür.
Alfred schloss auf. Aber war das? Da waren schnell einige Bretter aufgenagelt und die führten an die Holzplatte. Die Holzplatte war zu. Alfred Leiß war aber nicht dumm: mitten in dem Holz war ein Sehschlitz! Da sah man die Vögel! Und sie hatte junge dabei. Es waren Mauersegler. Und in einen anderen Kasten waren Schleiereulen.
Oder in Bleichenbach: sitzt da ein Storch, da mitten an der Straße zwischen Millionenweg und zwei außenliegende Bauernhöfe. Ja, es ist ein Storch. Von Lindheim hat er sich aufgemacht und hat Futter gesucht. Oder Würmer!
Ich sehe unsere Bisamratte, ich kann die Vögel unterscheiden, mache einem Maulwurf auf, wenn er grade in meinem Garten Unheil anrichten will.
Oder auch ins Duisburg-Hamborn: Wie singet da die Vögel „Kiwitt, kiwitt" oder die Tauben.
Wenden wir einmal zu den Schwäbischen zu. Wer kennt ihn schon: Christian Adam Dann (1758-1837)? Ein Tierschützer?
Es war ein Bild, das den Lebens erfahrenen Mann zutiefst berührte: Ein Unbekannter hatte ein Storchenpaar, das auf der Mössinger Kirche brütende, mit dem Gewehr beschossen. Er hatte die Tiere total durchlöchert.
(Störche waren noch häufig, heute sieht man sie selten) Dann war außer sich. Dann war Pfarrer ist der Kirche. Hatte er seinen Dörflern nicht seit fast zehn Jahren geistlich und moralisch ins Gewissen geredet? War nicht die ganze Kirche dabei, sich religiös zu erneuern, „fromm" zu werden im umfassenden Sinn, sich „erwecken" zu lassen?
Das ist eine Sprache die man lernen muss. Mir ist geläufig. Mein Vater war Diakon. Marburg-Tabor ist seine Ausbildungsstelle, bei den Pietisten. Piestisten? Das ist ein Glaube, der sich an das Gesetz hält. Ein evangelischer Glaube. (Kein Tanz, kein Sex vor der Ehe, kein Widerwort zumal wenn die Eltern andern anwesend sind.)
Ein Jahr später hatte Dann es geschafft, eines Schrift zu verfassen: „Bitte der armen Thiere, ..., die Menschen. ... Macht unser meist kurzes, mühevolles Leben erträglich."
Wer seine Sünden bereut und sich bekehrt, wird geht auch freundlicher mit den anderen Geschöpfen um. Dazu gab es auch ein schwäbisches Sprichwort: „Wenn sich ein Bauer bekehrt, merkt es auch sein Vieh im Stall."
Ein durchlöcherter Storch – eine lückenhafte Moral? Er, der Moralist, verhedderte sich dabei gleichsam in seinen Prinzipien: An der Stuttgarter Leonhardskirche war er Diakon gewesen. Später wurde er Pfarrer in Mösingen.
Die wissenschaftliche Theologie war Danns Stärke nicht. Aber er korrespondierte mit wichtigen Theologen seiner Zeit. Dann schrieb er eine zweite Schrift. Sein Freund, der Liederdichter und Pfarrer, Albert Knapp, war sehr angetan. Wenige Monate nach Danns Tod, gründete Knapp den ersten Tierschutzverein Deutschland.
Da ist noch Büdingen. Das Tierheim liegt außerhalb: Findörfer Hof (Düdelsheim)


