Biogas aus Wildpflanzen
Ein Pilotprojekt erprobt umweltfreundliche Alternative zur Maismonokultur. Auch Sonnenblumen sind als Energiepflanze nutzbar.
Außer Mais können zur Nutzung in Biogasanlagen möglicherweise bald auch Pflanzen angebaut werden, die erheblich naturverträglicher sind.
"Energie aus Wildpflanzen" (EAW) heißt ein Pilotprojekt, das der Landesjagdverband (LJV) auch mit Landwirten aus Büdingen, Gedern und Ortenberg initiiert hat.
Gestern stand Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) bei Bleichenbach vor Sonnenblumen und
Auch Sonnenblumen sind als Energiepflanze nutzbar. Foto: Rolf OeserMalvenstauden, um sich über den potenziellen Maisersatz zu informieren.
„Um die inzwischen rund 170 Biogasanlagen in Hessen zu betreiben, müssen wir auf Dauer Alternativen zu den klassischen Energiepflanzen wie Energiemais finden", mahnte die Ministerin.
Dies hat auch der LJV erkannt. Und er sieht in dem Wildpflanzen-Anbau viele Vorteile. „Von dem Projekt erhoffen wir uns eine erhebliche Verbesserung des Lebensraums für Insekten, Vögel und Wild", erläuterte Nikolaus Bretschneider-Herrmann, Vizepräsident des LJV. Mit dem landwirtschaftlichen Anbau von mehr als 20 verschiedenen, überwiegend staudenartigen Kräutern werde zudem die Umwelt und der Ackerboden geschont, weil keine Pestizide benötigt würden und Dünger nur in Ausnahmen.
Puttrich äußerte sich erfreut über die Perspektive, forderte aber die Einbindung von anderen Institutionen wie die staatliche Vogelschutzwarte oder die Tierärztliche Hochschule Hannover.
Auf 15 Einzelflächen mit einer Gesamtgröße von 11,5 Hektar wurde 2011 das Projekt gestartet. Bei einem Vortrag der Naturschutzakademie in Wetzlar sei Landwirten das Vorhaben vorgestellt worden. Interesse hatten auch acht Landwirte aus der Region. Die Bauern erhielten Saatgut im Wert von 10 000 Euro, das aus Jagdabgaben an das Land finanziert wurde. Im Unterschied zum Vorgehen beim Mais muss die Mischung nur einmal alle fünf Jahre ausgesät werden. Geerntet wird im Spätsommer und damit außerhalb der Brut- und Setzzeit. Weil das Grün schon bald wieder austreibt, ergibt sich auch kein Ernteschock durch kahle Felder für Tiere, so Bretschneider-Herrmann.
Thomas Norgall, Naturschutzreferent beim BUND Hessen, unterstrich auf Anfrage ebenfalls den Nutzen des Projektes. „Maisanbau bedeutet eine totale Verarmung für den Naturhaushalt und den Erholungssuchenden." Die lange stehenden Blüten bei den Wildpflanzen verbesserten dagegen den Lebensraum von Bienen und anderen Insekten. Mais biete keinen Tieren außer den Wildschweinen eine Lebensgrundlage.
Norgall kritisierte jedoch, dass es generell ethisch schwer vertretbar ist, Flächen für die Nahrungserzeugung zum Anbau von Energiepflanzen zu nutzen. Das gelte auch für Wildkräuter.
Das EAW-Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und das nicht allein, um die Wirkung auf die Natur zu studieren. Gemessen werde auch die Wirtschaftlichkeit des Pflanzenbaus für Landwirte und Anlagenbetreiber.
Laut Bretschneider-Herrmann sei die Wildpflanze energetisch fast genauso wirkungsvoll wie der Mais. Ein Nachteil sei, dass der Ertrag pro Hektar bei den Wildstauden deutlich kleiner ist.
Bei der „C4 Energie AG", Betreiberin der neuen Biogasanlage in Altenstadt, äußert man sich noch zurückhaltend über die neue Alternative zur Maismonokultur. Kleinere Mengen Wildkräuter seien schon beigemischt worden. Wie größere Anteile den Prozess beeinflussen, ist derzeit offenbar noch unklar. „Mit diesem Gärmaterial befinden wir uns noch am Anfang einer Entwicklung", sagte Firmensprecherin Susanne Köhler. Für fundierte Ergebnisse sei „künftig eine externe wissenschaftliche Begleitung wünschenswert".


